Der
Landbote – Winterthur – 2.11.05 “Poetiche Klanggemälde”
- Dichtung, Musik und Kunst des 19. Jahrhundert hat das neuste Museumskonzert
gehaltvoll vereint.
WINTERTHUR – Sie sind alles
andere als aufdringlich, die Zeichnungen und Aquarelle der Ausstellung
“von Calame bis Anker”, die noch bis zum 4. Dezember im Graphischen
Kabinett des Kunstmuseums zu sehen sind. Keine schreienden Farben, sondern
der verinnerlichte Blick, das romantische Spähen sind hier festgehalten.
Felsen und Abgründe, Wälder und Wasserfälle, mythologische
und alltägliche Szenen saugen den Betrachter in die Bilder hinein,
die mit einer grossen Liebe zum Detail angefertigt wurden.
Gedichte von Gottfried Keller, Conrad Ferdinand Meyer, Charles Baudelaire
und Nikolaus Lenau zeichneten mit ihrem feinen Witz Welten, wie sie sich
aus formendem Willen und individueller Vorstellung ergeben. Julia Stöter,
mittlerweile eine bewährte Rezitatorin bei den Sonntagsmatineen,
fand auch dieses Mal den richtigen Ton zwischen Wortassimilation und Textdistanz.
Gedichte geraten ihr nicht zur Litanie, und doch ist sie offen für
die Musikalität, die der rhythmisierten Sprache innewohnt. In dieser
Hinsicht zog Marc Schmassmann nicht mit seiner Kollegin gleich. Laut und
deutlich, nach den Regeln der Schauspielkunst eben, fiel sein Deklamieren
aus, doch der Text zwischen den Zeilen blieb stumm.
Der musikalische Teil der Matinee brachte ein Wiederhören mit César
Francks beliebter Sonate für Violine und Klavier sowie die seltene
Begegnung mit den Nachtgesängen op. 22 für Klavier von Hans
Huber. Der 1852 im Solothurnischen geborene Pianist, Klavierlehrer und
Komponist machte um die Jahrhundertwende vor allem als Erneuerer des Basler
Musiklebens von sich reden. In den “Nachtgesängen” offenbart
er sich als Liebhaber der Farben. Keine leise dahinträumenden Lieder
sind das, sondern volltönende Klanggemälde, in denen ungeahnte
Kräfte entfesselt werden. Dies bedeutete ein gutes Stück Arbeit
für die Pianistin Elisa Marzorati, denn die irgendwo zwischen Chopin,
Liszt und Tschaikowsky angesiedelten “Gesänge” sind nichts
für ungeübte Nachtschwärmer.
Intensität und Distanz
Anerkannt schwierig ist, was Franck mit seiner Violinsonate seinen Pianisten-Kollegen
aufbürdet. Elisa Marzorati schien angesichts dieser Herausforderung
erst recht zur Höchstform aufzulaufen. Bravourös und ohne äusserlich
sichtbare Zeichen der Anstrengung brachte sie diesen pianistischen Parforceritt
hinter sich. Die Geigerin Yvonne Smeulers beeindruckte durch den voluminösen
Klang ihrer Guadagnini, das satte Vibrato in den expressiven Passagen
und ihre unnachgiebige interpretatorische Haltung. (Anja Bühnemann)
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REPERTORIO
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